Die Liedarcheologen

Gott loben mit den Christen vor uns

Nun danket alle Gott

 

Variante A: Glaubenslied

Nun danket alle Gott
mit Herzen, Mund und Händen.
Der große Dinge tut
an uns und allen Enden,
Der uns von Mutterleib
und Kindesbeinen an
Unzählig viel zu gut
bis hierher hat getan.

Der ewig reiche Gott
woll uns in unserm Leben
Ein immer fröhlich Herz
und edlen Frieden geben
Und uns in seiner Gnad
erhalten fort und fort
Und uns aus aller Not
erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott,
dem Vater und dem Sohne
Und Gott, dem Heilgen Geist
im höchsten Himmelsthrone,
ihm, dem dreieinen Gott,
wie es im Anfang war
Und ist und bleiben wird
so jetzt und immerdar. 

Variante B: Nationalpatriotische Hymne

Nun danket alle Gott!
Der Feind ist überwunden.
Von Knechtschaft, Weh und Spott
Ist unser Volk entbunden.
Es weckte, Gott, dein Hauch
Den alten teutschen Muth,
Und schnell verflog wie Rauch
Die fremde Würgerbrut.

Drum kommen wir hierher,
Dir heißen Dank zu sagen.
Es müsse keiner mehr
An deiner Huld verzagen.
Wer feig das Unrecht litt,
Den lässest Du vergehn.
Wer kühn sein Recht vertritt,
Dem pflegst du beizustehn.

Du gabst uns reiche Kraft
Das Vaterland zu schützen.
Nun soll gewissenhaft
Dein teutsches Volk sie nützen.
Dein Segen blüht allein,
Wo hell die Freiheit lacht.
Uns adle stets ihr Schein
Von dir, du Gott der Macht!

 

 

Martin Rinckart 1630

 

 

 Die Liedarcheologen

 

Zum 100-jährigen Bestehen der Confessio Augustana, einer Bekenntnisschrift der lutherischen Kirchen, schrieb Martin Rinckart dieses musikalische Bekenntnis.

Ab dem späten 18. Jahrhundert entwickelte sich das Lied zu einer patriotischen Hymne und wurde daher auch vor Schlachten gesungen. In der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon veränderte sich dann auch der Text hin zum nationalen Bekenntnis. Fortan war das Lied in seiner vaterländischen Version an zentralen Punkten der deutschen Geschichte präsent, wie z.B. der Kaiserkrönung 1871, dem Kriegsausbruch 1914 oder dem Tag von Potsdam 1933.

Erst nach dem 2. Weltkrieg, als 1955 Kriegsgefangene aus sowjetischer Haft zurück nach Deutschland konnten, setzte sich wieder die ursprüngliche Fassung durch und machten das Lied wieder zu einem Glaubenslied.